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Die BNPL-Architekten: Wie Apple, Amazon und Co die Embedded Finance-Revolution bauen

20.06.2022
5 Min
Christian C. Waldheim

Apple, Amazon und PayPal bringen “Buy Now Pay Later” endgültig in den Mainstream. Banken müssen sich nicht fürchten – denn die kommende Regulierung bringt ihnen einen wichtigen Vorsprung vor den Fintech-Herausforderern.

Es ist der Ritterschlag für den Fintech-Trend: Apple, das wertvollste Tech-Unternehmen der Welt, wird im Herbst in den stark wachsenden “Buy Now Pay Later”-Markt (BNPL) einsteigen. Die Integration des Payment-Dienstes Apple Pay in zahlreiche Apps und Online-Shops ermöglicht es den Kund:innen des iPhone-Giganten, die Kosten eines Apple-Pay-Kaufes in vier gleich große Raten auf sechs Wochen verteilen zu können. Anstatt auf den bisherigen Partner Goldman Sachs zu setzen, mit dem etwa eine eigene Kreditkarte auf den Markt gebracht wurde, geht Apple den eigenständigen Weg. Die neue Tochter Apple Financing LLC wird die Lending-Services selbst anbieten – was den US-Tech-Riesen immer mehr zu einer Art Bank macht.

Apple steigt damit in die Riege der Architekten der BNPL-Branche auf – neben Vorreiter wie Affirm des ehemaligen PayPal-Mitgründers Max Levchin oder Klarna aus Schweden, die den neuen digitalen Markt bereits seit 2012 bzw. seit 2005 aufbereiteten. Ihnen folgten dann die australischen BNPL-Riesen Zip und AfterPay (mittlerweile eine Tochter von Block) und weitere europäische BNPL-Größen wie Unzer (Deutschland), Ratepay (Deutschland),  Credi2 (Österreich) oder Scalapay (Italien). Der US-Vorreiter Affirm war es schließlich auch, der dem E-Commerce-Riesen Amazon 2021 im B2C-Bereich zum Einstieg in den BNPL-Markt verhalf. Und Amazon baut weiter aus: Gemeinsam mit dem renommierten Finanzinstitut Barclays aus Großbritannien hat der Online-Riese nun für europäische Kund:innen auf Basis von Amazon Pay auch die Möglichkeit von Ratenzahlungen eingeführt. Auch Amazon zeigt damit, wie Partnerschaften zwischen Tech-Playern und Bankhäusern fruchten können.

Wachstum: 5x in den nächsten 5 Jahren

Zwar haben sich diese und andere heutige BNPL-Provider aus verschiedenen Richtungen dem Kern des Geschäftsmodells angenähert (Klarna startete etwa mit dem Rechnungskauf), doch heute eint sie eines: Sie ermöglichen es Konsument:innen auf der ganzen Welt, schnell und einfach direkt im Shopping-Prozess auf digitale Finanzierungslösungen wie etwa den Ratenkauf zugreifen zu können. Für E-Commerce-Anbieter ist BNPL heute unverzichtbar, die Nachfrage enorm. BNPL-Lösungen haben sich zum größten Herausforderer der Kreditkarte beim Shopping (also digital wie auch am PoS) entwickelt. So soll der BNPL-Markt laut Marktforscher Juniper von 266 Milliarden Dollar im Jahr 2021 auf 995 Milliarden Dollar im Jahr 2026 wachsen. Das entspricht einem Wachstum von 5x innerhalb von nur fünf Jahren. 

Einige, aber bei weitem nicht alle Banken, haben erkannt, wie relevant der wichtigste Fintech-Trend der letzten Jahre für sie ist – und dass sie ihn nicht auslassen dürfen. BNPL erlaubt unterschiedliche Spielarten. Der Kauf auf Rechnung ist die einfachste, daneben gibt es den Ratenkauf, Konsum-, Raten- und Rahmenkredite. Also alle Finanzprodukte, die man früher bei Banken suchte, heute aber mittels Embedded Finance direkt in den digitalen Kaufprozess eingebettet werden können. Apple oder Klarna haben verstanden – sie werden so direkt am Touchpoint (z.B. dem Web-Shop) zum gefragten Helfer für die Konsument:innen und können über BNPL neue Kund:innen gewinnen. Bei den Händler:innen kommt das ebenfalls gut an, weil sie höhere Abschlussraten und größere Warenkörbe sehen.

Das Zeitfenster für Banken

Traditionelle Banken sehen nun, dass die Fintechs immer weiter in ihr Kerngeschäft eindringen. Während manche BNPL-Provider wie Klarna selbst zur Bank werden und aktuell stark mit den veränderten Marktbedingungen (hohe Inflation, Ukraine-Krieg, Rezession usw.) kämpfen, liegt die Stärke von B2B-Playern wie Credi2 darin, ihre White-Label-Lösungen mit etablierten Banken zu kombinieren und so Händlern stabile digitale Finanzierungslösungen anbieten zu können. Demgegenüber stehen die All-in-One-Anbieter (z.B. Ratepay, Scalapay), die alles von der Marke über die Shopping-App bis hin zur Finanzierung anbieten wollen und so Marktturbulenzen doppelt und dreifach ausgesetzt sind.

Während es nun Affirm, Klarna oder Afterpay (mittlerweile eine Tochter des Payment-Spezialisten Bock) als B2C-Unternehmen zunehmend schwerer haben, kommt der BNPL-Markt im B2B-Bereich so richtig in die Gänge. Aktuell Beispiele dafür sind etwa Mondu aus Berlin, das sich auf Zahlungsmethoden im Geschäftskund:innenbereich spezialisiert hat, Walnut mit BNPL-Lösungen im Gesundheitswesen, oder Tranch, das sich auf BNPL im SaaS-Bereich spezialisiert hat. In dieser stark wachsenden Kategorie spielt schließlich auch Credi2 als Whitelabel- Anbieter und partnert als B2B2C Unternehmen mit etablierten Banken wie Volkswagenbank oder Raiffeisenbank International (RBI).

Die Schattenseite des BNPL-Booms: Manche Anbieter:innen sind als digitale Schuldenfalle für die Generation Y verschrien – der Social-Media-Hashtag #KlarnaSchulden spricht Bände. Zwar hat Europas Marktführer bereits mit einer Verdoppelung der Zahlungsfrist für Rechnungen und gesenkten Mahngebühren reagiert. Klarnas Geschäftsmodell steht seit längerem in der Kritik von Konsumentenschützer:innen, weil das schwedische Fintech viel Geld mit Mahnspesen machte. Auch deswegen wird die Forderung seitens der Politik, die digitalen Geldverleiher stärker in die Pflicht zu nehmen, immer lauter. Von Australien über Großbritannien über die EU bis in die USA – BNPL stehen rund um den Globus strengere Vorgaben der Finanzaufsichten ins Haus.

Regulierung als Chance

Und da sehen Banken ihre Chance gekommen.

“Banken haben BNPL strategisch wichtig für sich erkannt, weil es die Chance eröffnet, die Generation Y über neue Kanäle zu erreichen. Sie dürfen den Fintechs nicht das Feld überlassen, und jetzt kommt ihre große Chance.”

“Die EU-Kommission strebt eine Harmonisierung von Verbraucherschutz und digitaler Konsumentenkreditvergabe an, und das bringt für Banken einen entscheidenden Vorteil gegenüber den jungen Tech-Playern: Sie erfüllen die strengen Regularien bereits und können mit uns als Tech-Partner schnell in den boomenden Markt einsteigen, während viele Fintechs Probleme haben werden, die strengen Vorgaben zu erfüllen.”

Banken auf der Suche nach einem Tech-Whitelabel-Spezialisten im BNPL-Bereich werden sich dann genau ansehen, wer mit welchem Produktportfolio welche Compliance-Standards erfüllt. Credi2 bietet da im Vergleich zu anderen ein vergleichsweise breites Portfolio an und ist den Schritt in die Subscription Economy mit ihren gefragten Abomodellen bereits gegangen. Und auch wenn der Neueinsteiger Apple bei BNPL alles ohne Bankpartner selbst machen möchte – bei Subscriptions hat Apple und autorisierte Händler wie McShark oder Cyberport bereits einen Partner gewählt: Credi2 aus Wien.